vom 28.12.2018

Zevener Familie in San Francisco

Es sah so aus, als ob 1906 ein gutes Jahr für die Familie Pape werden würde. Vater Friederich Ludwig Moritz Pape und Mutter Maria Christine geb. Meyer hatten es weit gebracht. Friedrich war auf einem Vollhof in Zeven (heute Meyerhöfen 7) zur Welt gekommen, Maria war die Tochter des aufstrebenden Tischlermeisters Gerd Meyer in Zeven. Wir wissen nicht, wann sie sich kennen lernten und heirateten. In den 1870er Jahren wohnten sie auf jeden Fall in San Francisco und führten ein gut gehendes Geschäft. Die Gesellschaft in San Francisco, der aufstrebenden Stadt am Pazifik, wuchs; die Papes waren anerkannte Mitglieder. Vater Friederich/Frederick war stolz auf seine Erfolge in der Schützengesellschaft, die Mutter hatte sich auch der Erziehung der Kinder gewidmet. Von Hella Albers

Die Ausgabe von De Sood 2017 konnte als Sensation mit der Reproduktion von "Die Spinnerin von Zeven" titeln.

Drei Söhne hatten die Papes: Frederick (geb. 1870), Alexander (geb. 1871) und August (geb. 1873). Der Familie ging es so gut, dass sie 1875 nach Deutschland reiste. Vermutlich in dieser Zeit der Vater mit seiner Mutter und den Geschwistern das elterliche Erbe, denn der Hof mit der damaligen Hausnummer 71 wurde an die Halbschwester seiner Frau Johanne Dorothea geb. Meyer und ihren Mann Ernst August Buck verkauft. Wir können nur vermuten, dass für die amerikanischen Papes Wohnrecht auf dem Hof ausgehandelt wurde, wenn sie in Deutschland waren.
Und tatsächlich, 1888/89 war der älteste Sohn Frederick (später nannte er sich nur noch Eric) ein Jahr in Zeven. Er muss mindestens Hochdeutsch gesprochen haben, vermutlich aber auch Plattdeutsch, sonst wäre er den Zevenern nicht nahe gekommen. Eric zeigte als Kind Talent beim Violinenspiel, später interessierte er sich mehr fürs Malen und Zeichnen. Auf seiner mehrjährigen Europareise, während der er auch in Zeven war, begab er sich auf ausführliche Motivsuche.
Und so entstanden mehrere Werke, die wir dieser Zeit zuschreiben, vor allem aber „Die Spinnerin von Zeven“. Ein Salongemälde, das man sich nicht eben an die Wand hing, sondern eher ein zentrales Stück der Einrichtung war. Das junge Mädchen trägt norddeutsche Tracht, aber leider wissen wir nicht, wieviel davon tatsächlich vorhanden war und was künstlerische Komposition ist.
Ebenfalls zu dieser Zeit dürfen wir die Zeichnung „Lütt Hanni“ rechnen. Wir gehen stark davon aus, dies ist ein Zevener, aber der Name „Johann“ war schon damals sehr häufig. Zurzeit ist es also noch ein Rätsel für uns, wer porträtiert wurde.
Eric nutzte während seiner Europareise auch die Familienbande seiner Cousine. Die Familie Buck kam aus Otterndorf und war weit verstreut. Eine Schwester von Ernst August Buck, dem Hofbesitzer des ehemals Papeschen Hofes, wohnte mit ihrem Mann in Alexandria. Zweifellos reiste Eric zur Familie seiner erweiterten Familie, und während seines Aufenthalts im Land der Pharaonen ließ er #sich zu Pastellen und Skizzen mit ägyptischen Motiven inspirieren.


links: Bisher ungelöst ist das Rätsel, welcher Zevener 1889 als "Lütt Hanni" porträtiert wurde. rechts: Die "Spinnerin von Zeven" (links) mit drei ihrer Schwestern.

In der Hauptstadt der Kunst
Eric zog wieder nach Paris, der Hauptstand der Kunst. Dort arbeitete er vermutlich viele seiner Skizzen aus. Das Gemälde „Die Spinnerin von Zeven“ stellte er dort in der Société Nationale des Beaux Arts aus. Und aus seinem Atelier sendete Eric ein in deutscher Sprache und deutscher Schrift signiertes Foto an die Familie in Zeven. Zu sehen ist auf dem Foto u. a. eine Statue, die Auguste Rodin ihm als Wertschätzung des „ägyptischen“ Werkes schenkte.
Nach seiner mehrjährigen Europa-/Ägyptenreise kehrte Eric nach Amerika zurück. Mit seiner jungen Frau Alice geb. Monroe gründete er eine Kunstschule. Vater und Mutter Pape in San Francisco konnten also sehr stolz auf ihre Söhne sein, schließlich war Eric ein vielversprechender Künstler und die Jüngeren taten sich zudem in sportlichen Aktivitäten (Rudern und Schießsport) hervor.
Und dann kam das große Erdbeben von San Francisco 1906. In den Wirren nach der Katastrophe entzündete eine Hausfrau ein Feuer in ihrem Herd, aber der fehlende Abzug sorgte dafür, dass das Feuer schnell um sich griff. Viele Tage wütete das Feuer. Am Ende waren durch Erdbeben und Feuer 30 000 Menschen ums Leben gekommen. Zu den zerstörten Häusern gehörte auch das der Familie Pape. Da die „Spinnerin von Zeven“ nur noch einmal ausgestellt worden war, nämlich 1894 auf einer Kunstaustellung in San Francisco, wird vermutet, dass das Gemälde auch 1906 noch dort war und somit Opfer der Flammen wurde.

Eric Pape in seinem Pariser Atelier. Der Künstler war in der glücklichen Lage, sich über seinen Lebensunterhalt nie ernsthaft Gedanken machen zu müssen.

Hier endet die Geschichte des Gemäldes, aber nicht die Geschichte von Eric Pape. Er war ein überaus gefragter Künstler, der Bühnenbilder für neue Theaterstücke entwarf, bekannte Schauspieler und Politiker porträtierte (z. B. Aldous Huxley).
Atelier auf Long Island
Auf Grund seiner wirtschaftlichen Lage musste sich Eric nie Gedanken über seinen Lebensunterhalt machen. So war er auch nie gezwungen, seine Werke zu verkaufen. Bis zu seinem Tod 1938 sammelten sich in seinem Atelier auf Long Island viele Gemälde an. Seine zweite Frau verschloss das Atelier und so fiel es in eine Art Dornröschenschlaf. Erst Ende der 1970er Jahre wurde es wieder geöffnet und der amerikanische Kunstsammler Greg Conn konnte sich noch ein Bild von der Vielfalt von Erics Können machen. Dr. Conn erwarb viele der Papeschen Werke. Zurzeit arbeitet er an mehreren Büchern zu Eric Pape und ist glücklich, durch die jüngsten Veröffentlichungen in „De Sood“ mehr über die Zevener Zeit erfahren zu haben. Vielleicht hat Zeven in naher Zukunft das Glück, dass Eric Papes Werke in der Heimat seiner Eltern ausgestellt werden.
Ein anerkannter Künstler
Der Sohn von Zevenern als anerkannter Künstler, u. a. am Broadway – die Stadt sollte mehr an ihn erinnern.
Die Geschichte von Eric Pape wird in mehreren Publikationen untersucht: De Sood Nr. 55 (2017) und Nr. 56 (2018) – Autoren: Werner Fromm, Jürgen Behn, Ewald und Hella Albers, sowie in einem Artikel im amerikanischen Kunstmagazin „mmmm“ – Autor Dr. Greg Conn. Mehrere Bücher von Dr. Conn sind in Vorbereitung, auch in De Sood Nr. 57 (2019) wird es weitere Informationen geben.

Fotos: Titel De Sood Nr. 55, Conn, Führing, Conn