Das war eine grandiose Lesung

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< das gespannte Publikum

der Büchertisch >

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Stärkung vor der Lesung

Gerhard Henschel mit Hella Albers,
der 2. Vorsitzenden

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Facetten der Lesung ...

 
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Hella Albers bedankt sich für die tolle Lesung. henschel-lesung-selsingen-25-maerz-0153

 

Nach einer Zigarettenpause des Meisters werden Bücher gekauft, die man sich gleich signieren lässt.

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Noch ein kurzes Gespräch mit Heinrich Kaiser,
der Walter Kempowski - der sozusagen immer im Raum schwebte -
privat gut gekannt hat.

 


Der Bericht nach der Lesung in der ZZ vom 29. März 2018

Schriftsteller erobert Herzen der Zuhörer
Gerhard Henschel liest beim Heimatbund Bremervörde-Zeven aus seinen Werken

SELSINGEN. Der Schriftsteller Gerhard Henschel war zu Gast beim Heimatbund Bremervörde-Zeven. Henschel hat die Herzen der Zuhörer im Nu erobert, als er mit seinen „Brechstangenversen" Sätze auf Deutsch und Englisch vorlas. Unglaublich komisch hörten sich dieses Sätze an, obwohl ihr Inhalt eigentlich normal war.
Gerhard Henschel hat auch mit seinem Buch „Landvermessung" viele Bewohner des Altkreises Bremervörde angesprochen, da die geschilderte Wanderung bis nach Nartum führte: eine Wanderung von Bargfeld bei Celle (dem früheren Wohnort des Dichters Arno Schmidt) bis nach Nartum ins Haus Kreienhoop, einst Wohnort Walter Kempowskis.
Gerhard Henschel wohnt heute am Rande der Lüneburger Heide und hat drei Kinder. Schon früh wollte er Schriftsteller werden. Am Anfang war das eine brotlose Kunst und seinen Lebensunterhalt (er wollte kein Geld von seinen Eltern) verdiente er sich erstmal in einer Spedition als Packer und als Bedienung in einer etwas problematischen Kneipe.

Schriftsteller Gerhard Henschel signierte Bücher bei seiner Lesung
vor Mitgliedern und Gästen des Heimatbundes Bremervörde-Zeven.


Nebenbei, manchmal zu ungewöhnlichen Tages- und Nachtzeiten, ging er immer wieder an seine schriftstellerischen Arbeiten, die er anfangs mit mäßigem Er­folg Verlagen anbot, was sich dann doch eines Tages änderte.
Gerhard Henschel ist Verfasser vieler Sachbücher; im Zentrum seines Schaffens steht die bisher siebenbändige autobiografische Reihe des Ich-Erzählers Martin Schlosser. Neben den vielfältigen Erlebnissen im engsten Familienkreis werden die Werbesendungen des Fernsehens, unvergessene Fernsehserien und die Zeitereignisse ab Mitte der 1960er Jahre wieder lebendig.

Zu Gast bei Kempowski
Seit 1984 war Henschel oft zu Gast bei Walter Kempowski und man könnte heute sagen, Henschel schreibt mit den Martin-Schlosser-Romanen dessen „Tadellöser & Wolff" fort.
In seiner Lesung begann er mit Ereignissen aus dem Leben des zehnjährigen Martin Schlosser. Der ging, um die Flotte seiner Matchbox-Autos zu vergrößern, auf Diebestour; überlegt und gezielt: in jedem Kaufhaus nur eines, damit er nicht auffiel. Erwischt wurde er dennoch, und seine Mutter musste ihn bei der Polizei abholen. Schimpfpredigten und Hausarrest war nun das Ergebnis seiner Aktionen.
Das Besondere an dem Text war aber, dass er geschrieben und auch vorgetragen worden ist mit dem Tonfall und mit den Gefühlen eines Zehnjährigen. Es erheiterte schon sehr, dass ein gesetzter Mann (der Lesende) solche „Untaten" aus seiner Jugend berichtete. Dann war ein Auszug aus der „Landvermessung" dran, wo er den letzten Abschnitt vortrug, die Wanderung von Gyhum nach Nartum. Kromschröder konnte an diesem Abschnitt nicht teilnehmen, da er im Martin-Luther-Krankenhaus Zeven versorgt werden musste.
In Nartum bekam er dann zu hören: „... dass immer noch Menschen Kempowskis Aufträge ausführen ...", denn diese Wanderung war eigentlich Kempowskis Idee, der Arno Schmidt auch sehr verehrte. Kempowski hatte mal gesagt, eine Wanderung von Bargfeld müsse unbedingt in Nartum enden. Das hat Henschel nun 2015 wahr gemacht, fotografiert von Gerhard Kromschröder, der außerordentliche und auch ganz bewusst banale Foto-Motive beisteuerte.
Der letzte Teil der Lesung war ein Ausschnitt aus dem „Jugendroman", in dem er eine Goldene Hochzeit schildert. Diesmal alles aus dem Blickwinkel des nunmehr 15-jährigen Martin Schlosser, der sich beim Alkoholkonsum ein Beispiel an Älteren nimmt. ----------------------------------------------------------------
ZZ 29.03.2018


Er schildert den Versuch, einem Schwerhörigen eine grammatische Ungenauigkeit in der Anzeige zur Goldenen Hochzeit zu erklären, der aber immer nur mit einem verständnislosen Gesicht da stand. Fazit des missglückten Versuchs: ach, ist eigentlich nicht so wichtig! Es fehlte nicht die typische Hochzeitszeitung. Sie wurde in Teilen vorgetragen und - wenn der Inhalt es so wollte - von Henschel vorgesungen, sodass manche den Refrain schon mitgesungen hätten, wenn er denn gesungen worden wäre. Manche Ansätze dazu waren schon zu hören. Überhaupt lief Henschel beim Gesang der Hochzeitszeitungs-Verse zur Hochform auf. Wer das Grußwort von ihm auf der Homepage des Heimatbundes oder auf der Internetseite der ZZ gesehen und gehört hatte, war doch überrascht. Im Video der seriöse Schriftsteller und dort der über sich selbst hinauswachsende Vortragende, der urkomische Situationen herrlich darstellte. Ein Riesenapplaus war der Dank für diese wunderbare Lesung.
Nach einer Zigarettenpause wurden dann Bücher signiert, die man auf dem Büchertisch erstehen konnte. Manche, z. B. Nartumer, brachten auch schon früher gekaufte Bücher zum Signieren mit.
Die Atmosphäre war ausgesprochen entspannt, man ging sehr stark mit bei diesem tollen Vortrag und es wurde viel gelacht. Die Zuhörer waren sich einig, einen sehr kurzweiligen Nachmittag verlebt zu haben. Wer ihn noch nicht kannte, war froh, ihn kennengelernt zu haben.


VIDEO:

Herr Henschel grüsst den Heimatbund!

Mit einem Gedicht beginnend:

es schneit, dann fällt der regen nieder,
dann schneit es, regnet es und schneit,
dann regnet es die ganze Zeit,
es regnet und dann schneit es wieder.

Das Gedicht Wetterverhältnisse von Ror Wolf

 


Neuerscheinung im April 2018:


und RADIO BREMEN dazu



Das Interview der ZZ vom 19. März 2018

Schriftsteller Gerhard Henschel Sonntag zu Gast beim Heimatbund in Selsingen

„Ohne Walter Kempowski wäre ich vielleicht nie auf die Idee gekommen“


Der Schriftsteller Gerhard Henschel ist am 25. März zu Gast beim Heimatbund Bremervörde-Zeven in Selsingen. Hier wird er aus seinen Werken lesen. Der Autor hat sich unter anderem als Verfasser autobiographischer Bücher wie zuletzt dem „Arbeiterroman" einen Namen gemacht. Im Interview mit ZZ-Redakteur Lutz Hilken erläutert er, welchen Einfluss sein verstorbener Schriftsteller-Kollege Walter Kempowski aus Nartum auf ihn hatte.

Sie werden erstmals zu Gast beim Heimatbund sein. Was dürfen die Besucher an dem Nachmittag erwarten? Ich werde aus meinen autobiographischen Romanen lesen -auch einige Passagen, die in Nartum spielen.
Werden neben Geschichten über Ihr Alter Ego Martin Schlosser, Protagonist in sieben Ihrer Romane, weitere Schriften zu Gehör gebracht? Ein paar kurze satirische Texte und das eine oder andere Gedicht werde ich ebenfalls mitbringen.
Was verbindet Sie mit dieser Region?
Ich bin oft im Haus Kreienhoop in Nartum zu Gast gewesen, bei den Literaturseminaren, die Walter Kempowski organisiert hat, und auch privat.
Welche Rolle spielt Walter Kempowski für Ihre Entwicklung? Ohne ihn wäre ich vielleicht nie auf die Idee gekommen, autobiographische Romane zu schreiben. Einmal habe ich ihm in Nartum eine halbe Stunde aus meinem damals noch unveröffentlichten „Kindheitsroman" vorgelesen und mir ein paar Ratschläge geben lassen. Wir waren seit 1984 lose miteinander befreundet und haben hin und wieder auch gemeinsame Lesungen veranstaltet. Nach seinem Tod hab ich das Buch „Da mal nachhaken – Wissenswertes über Walter Kempowski“ geschrieben und als Leser bin ich immer treu geblieben.
Sie haben Romane und Sachbücher veröffentlicht - und ein Wandertagebuch: „Landvermessung. Durch die Lüneburger Heide von Arno Schmidt zu Walter Kempowski". Was hat es damit auf sich?
Im September 2015 sind der Fotograf Gerhard Kromschröder und ich vom Haus des Schriftstellers Arno Schmidt in Bargfeld in der Lüneburger Heide zum Haus der Kempowskis gewandert, in dem Walter Kempowskis Witwe Hildegard heute noch wohnt. Gerhard Kromschröder hat fotografiert, und ich habe Tagebuch geführt. Auch daraus werde ich etwas vorlesen. Unter dem Titel „Laubengänge" wird in wenigen Tagen übrigens unser zweites gemeinsames Wandertagebuch erscheinen. Dafür sind wir diesmal den Spuren Wilhelm Buschs gefolgt, von seiner Wiege in Wiedensahl bis zu seinem Grab in Mechtshausen bei Seesen.
Werden sich die Leser auf weitere Geschichten aus dem Leben von Martin Schlosser freuen dürfen? Im Herbst wird mit dem „Erfolgsroman" der achte Band der Reihe erscheinen, und ich habe gerade mit der Reinschrift des neunten begonnen. Darin geht es dann allmählich auf die Mitte der neunziger Jahre zu.
Was lesen Sie selbst bevorzugt? Alles, was gut geschrieben ist. Ich lese lieber brillante Bücher über Dinge, die mich nur mäßig interessieren, als hölzerne Werke über Themen, die mir näher liegen. Meistens lese ich nach dem Lustprinzip, aber manchmal auch systematisch. Da Gerhard Kromschröder und ich auf unserer nächsten Wanderung den Spuren der Brüder Grimm folgen wollen, von Hanau nach Kassel, beschäftige ich mich jetzt eingehend mit deren Werken.
Gibt es ein Buch, das nicht aus Ihrer Feder stammt, das Sie aber gerne selbst geschrieben hätten? Nein. Ich habe mit meinen eigenen Büchern schon genug zu tun.
Kennen Sie Selsingen bereits aus eigener Anschauung oder betreten Sie Neuland?
In Selsingen bin ich tatsächlich noch nie gewesen.
Wie ist der Kontakt zum Heimatbund entstanden? Herr Jürgen Behn vom Heimatbund hat mich freundlicherweise zu dieser Lesung eingeladen.
Was möchten Sie am Ende des Nachmittags in Selsingen sagen können? Dass ich den ältesten Grundsatz des Showbusiness beherzigt habe: „Leave them wanting more."

ZZ 19.03.2018